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Trennungsfamilien für Studie gesucht
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Kindeswohl Trennungsfamilien für Studie gesucht

Wenn sich Eltern trennen, gibt es häufig Streit ums Umgangsrecht. Wie sich das auf das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kindern auswirkt, erforschen derzeit Wissenschaftler in einer bundesweiten Studie. Dafür werden noch Teilnehmer gesucht.

Wenn der Vater geht, leiden viele Kinder unter der Trennung.

Quelle: Foto: Getty Images

Bremen. Die Zahl ist hoch: Rund 200.000 Kinder sind jedes Jahr in Deutschland von der Trennung ihrer Eltern betroffen. Wie häufig die Kinder danach ihre Mutter und ihren Vater sehen, bei wem sie leben, wer für sie in erster Linie die Entscheidungen trifft, klärt sich häufig erst in einem schmerzlichen Prozess. Wie sich unterschiedliche Betreuungsmodelle auf Psyche, Entwicklung und Verhalten der Kinder auswirken, lässt derzeit das Bundesfamilienministerium in einer groß angelegten Studie mit dem Titel „Kindeswohl und Umgangsrecht“ untersuchen.

In Deutschland herrscht vor allem das Residenzmodell vor, bei dem die Kinder bei der Mutter leben. „Uns geht es nicht darum herauszufinden, welches Modell für Kinder das beste ist“, sagt der Bremer Kinderpsychologe Stefan Rücker, der gemeinsam mit einem Team aus neun weiteren Psychologen und Sozialpädagogen bereits 600 Familien in ganz Deutschland befragt hat. Die Analyse sei ergebnisoffen. „Schließlich ist das eine ganz individuelle Entscheidung, die jede Familie auch nach ihren Möglichkeiten trifft.“ Vielmehr geht es dem Studienleiter darum zu analysieren, was sich in Umgangsrechtsverfahren verbessern lässt – zum Wohle der Kinder. „Möglicherweise müssen Familienrichter, Gutachter und Mitarbeiter von Jugendämtern besser oder anders fortgebildet werden“, sagt Rücker. In Deutschland käme es beispielsweise immer noch vor, dass Richter Kinder im Beisein der Eltern fragten: „Möchtest du bei Mama oder Papa wohnen?“ Doch so gerieten Kinder in einen Loyalitätskonflikt, der sie überfordere. Dies sei in anderen Ländern besser geregelt.

Hier können sich Betroffene melden

Für die Studie „Kindeswohl und Umgangsrecht“ werden noch Mütter und Väter gesucht, die sich getrennt haben und deren Kinder noch nicht erwachsen sind. Wer sich vorstellen kann, über seine Erfahrungen zu sprechen, kann sich telefonisch unter (04 21) 21 86 86 54 bei der Universität Bremen melden oder eine E-Mail an kindeswohl@uni-bremen.de schicken. Weitere Informationen gibt es unter http://www.kindeswohl-umgangsrecht.de/

Wie es den Vätern, Müttern und Kindern in ihrer familiären Situation nach der Trennung geht, ist ebenfalls Bestandteil der Studie. Was sind Konfliktfelder? Wie zufrieden oder unzufrieden sind die einzelnen Familienmitglieder mit der Situation? Gab oder gibt es Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe? Rücker betont, dass die Gespräche mit den Kindern altersgerecht und behutsam geführt würden. Die Interviewer seien allesamt in diesem Bereich geschult. Unter Sechsjährige würden nicht befragt, ihre Entwicklung würde mit spielerischen Tests analysiert.

Bisher haben sich sehr unterschiedliche Väter und Mütter beim Forschungsteam gemeldet: Männer, die darunter leiden, ihre Kinder selten zu sehen, genauso wie Frauen, die sich immer noch von ihrem Ex-Partner bedroht fühlen. Aber auch Paare, die friedlich eine Lösung für sich gefunden haben, konnten beim Hausbesuch befragt werden. Rücker betont, dass die repräsentative Untersuchung in dieser Größe bisher einmalig sei. Insgesamt sollen 1200 Familien befragt werden. Im Januar 2018 wollen die Wissenschaftler von der Universität Bremen und der hessischen Forschungsgruppe „Petra“ mit der Auswertung der Gespräche beginnen.

Von Christiane Eickmann/RND

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