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Oft schlechte Bedingungen für Radler
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Berlin Oft schlechte Bedingungen für Radler

Münster liegt bei ADFC-Befragung wieder vorne – Der Norden bekommt eher mäßige Noten.

Berlin. . Das Rennen um die fahrradfreundlichste Stadt in Deutschland ist knapp ausgegangen: Titelverteidiger Münster hat seinen ersten Platz unter den Großstädten verteidigt. Es folgen Karlsruhe und Freiburg in Baden-Württemberg. Zum siebten Mal bringt der Fahrradklima-Test, den das Bundesverkehrsministerium präsentierte, Bewegung in die Diskussion um Mobilität in Städten. Dass sie ein großes Thema ist, zeigt schon eine Rekordbeteiligung: Noch nie hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) so viele Fragebögen zurückbekommen:

120000 Menschen aus 539 Städten werteten, was sie als Stärken und Schwächen für den Radverkehr sehen.

Was alles schief laufen kann, zeigt die Hauptstadt Berlin jeden Tag: Wüstes Gehupe zeugt davon, dass Radler sich die Straßen erobern – nicht immer nach den Regeln. Wenn schmale Radwege nicht ohnehin zugeparkt sind, staut es sich dort in der Rushhour. Die traurige Bilanz für viele Unzulänglichkeiten waren im vergangenen Jahr 19 tote Radfahrer allein in Berlin, so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Hauptstadt kassierte daher die Schulnote 4,3 – das ist der drittletzte Platz unter den 39 Großstädten. Auf Münster lässt Bürgermeister Gerhard Joksch dagegen nichts kommen. „Ohne Rad können wir nicht“, sagte er stolz bei der Siegerehrung.

40 Prozent Radverkehr habe Münster. Der ADFC sieht Münsters Stern trotz der Spitzenposition in der Gunst der Radler sinken. Zwar war die Studentenstadt in den 1970er und 80er Jahren mit ihrem Radweg-Konzept vielen anderen Kommunen voraus. Doch inzwischen sei die Infrastruktur unterdimensioniert.

Was heute angesagt ist, demonstriert zum Beispiel Göttingen. Ein breiter Radschnellweg, perfekt asphaltiert und mit markanten blauen Markierungen, durchzieht nun das Zentrum. Wuppertal, mit vielen steilen Hügeln und Hauptstraßen nicht gerade ein Fahrradparadies, glänzt mit der Nordbahntrasse, auf der einst die Eisenbahn rollte. Wesel baute Radfahrern eine eigene Fähre. „Etwas zu verändern bedeutet auch, Autofahrern wehzutun“, sagt Göttingens Stadtbaurat Thomas Dienberg. Denn der Verkehrsraum wird nicht nur gefühlt knapper. Auf Deutschlands Straßen rollen bereits mehr als 60 Millionen Kraftfahrzeuge, 1,5 Millionen mehr als vor zehn Jahren. Dazu kommt nun – umweltpolitisch gewollt – ein immer weiter wachsender Anteil an Radlern. Und der Bund finanziert Radschnellwege mit, die Städte verbinden.

Autofahrer merkten, dass ihnen weniger Platz bleibe, konstatiert der Deutsche Verkehrssicherheitsrat. Hupen, Drängeln, Drohen – bereits im vergangenen Jahr empfand die Hälfte der Bundesbürger laut einer Umfrage das Klima auf Deutschlands Straßen als aggressiver als früher. Ein reines Propagieren des Radelns reicht aus Sicht des ADFC deshalb nicht aus. Um wirklich etwas voranzubringen, bedürfe es eines großen Konsenses der Parteien einer Stadt und vor allem eines guten Plans. Dafür steht zum Beispiel Karlsruhe, das zuerst sein Tram-Netz auf Vordermann brachte, dann die Rad-Infrastruktur verbesserte und sich nun den Fußgängern zuwenden will.

Was Radfahrern selbst am wichtigsten ist, zeigt der Test auch. Die meisten wünschen sich vor allem ein Sicherheitsgefühl beim Fahren, breite Radwege sowie schnelle Verbindungen ins Zentrum. Wenn der Laster zehn Zentimeter entfernt rollt, Radwege immer wieder von Straßen oder Bürgersteigen unterbrochen werden und der Drahtesel mangels sicherer Abstellplätze gleich wieder geklaut wird, führt das zu Stress – und Minuspunkten im Fahrradklima-Test.

Der Test: So hat unsere Region abgeschnitten

Lübeck: Die Hansestadt punktet damit, dass alle Ziele einschließlich des Stadtzentrums gut mit dem Rad zu erreichen sind. Negativ bewerten die Tester den schlechten Zustand vieler Radwege, die hohen Fahrraddiebstahlszahlen und dass in vielen öffentlichen Verkehrsmitteln eine Fahrradmitnahme nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist. Gesamtnote: 4,0

Bad Schwartau: Das geringe Angebot öffentlicher Leihfahrräder wird in Bad Schwartau (Kreis Ostholstein) bemängelt. Außerdem gibt es nach Einschätzung des ADFC kaum Fahrradförderung und zu wenig Werbung für das Radfahren. Positiv wird bewertet, dass alle Ziele zügig mit dem Rad zu erreichen sind. Gesamtnote: 4,0

Grömitz: Zahlreiche Abstellmöglichkeiten, viele Leihfahrräder und gute Erreichbarkeit werden in Grömitz (Kreis Ostholstein) gelobt. Bemängelt wird die schlechte Verkehrsführung für Radfahrer an Baustellen, außerdem fühlen sich viele Radler unsicher, wenn sie auf der Straße fahren müssen. Gesamtnote: 3,5

Eutin: Die befragten Radfahrer in Eutin (Kreis Ostholstein) loben, dass es kaum Konflikte mit Fußgängern gibt und dass das Radfahren in ihrer Stadt Spaß macht und stressfrei ist. Kritisch wird dagegen gesehen, dass nur wenige Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet und viele Radwege zu schmal sind. Gesamtnote: 4,4

Neustadt in Holstein: Auch in Neustadt (Kreis Ostholstein) wird die gute Erreichbarkeit aller Ziele mit dem Rad gelobt. Als Minuspunkte werden die schlechte Führung an Baustellen genannt und der Umstand, dass nur wenige Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet sind. Gesamtnote: 4,2

Bad Segeberg: Gute Wegweisung für Radfahrer bescheinigen die Befragten der Stadt Bad Segeberg. Allerdings seien viele Radwege holprig und uneben und außerdem häufig zu schmal.

Gesamtnote: 4,4

Bad Oldesloe : In der Kreisstadt Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) müsste es nach Ansicht der Befragten mehr Leihfahrräder geben, denn hier macht das Radfahren besonders viel Spaß.

Verbesserungsfähig ist laut Umfrage die Führung an Baustellen. Gesamtnote: 3,9

Ahrensburg: Obwohl das Radfahren in Ahrensburg (Kreis Stormarn) sehr beliebt ist, lässt der Zustand der Radwege nach Einschätzung der Befragten mitunter sehr zu wünschen übrig.

Gesamtnote: 4,1

Mölln: Positiv fällt in Mölln (Kreis Herzogtum Lauenburg) auf, dass Fahrraddiebstahl keine große Rolle spielt. Bemängelt werden schlechte Ampelschaltungen für Radfahrer und zu schmale Radwege.

Gesamtnote: 3,6

Kiel: In der Landeshauptstadt sind im Gegensatz zu den meisten bewerteten Orten im LN-Verbreitungsgebiet viele Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet. Dafür gibt es Pluspunkte von den Testern.

Kritisch bewerten die Befragten, dass Autos, die verbotenerweise auf Radwegen

parken, nur selten kontrolliert werden.

Gesamtnote: 3,6 gri

Ulrike von Leszczynski

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