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Mord statt käuflicher Liebe: 28-Jährige vor Gericht
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Kiel Mord statt käuflicher Liebe: 28-Jährige vor Gericht

Ungewöhnlicher Mordprozess in Kiel: Wegen heimtückischen Mordes muss sich ab Freitag eine 28-jährige Frau vor dem Kieler Landgericht verantworten. Beim ersten Prozesstag will sich die Angeklagte zu Vorwürfen nicht äußern.

Vor dem Kieler Landgericht beginnt ein Mordprozess.

Quelle: Markus Scholz/archiv

Kiel. Er ließ sich fesseln und freute sich auf ein Sexspiel - sie holte das Küchenmesser. In Kiel beginnt am Freitag ein ungewöhnlicher Mordprozess um das Ende einer käuflichen Liebe. Die Angeklagte soll Prostituierte sein und das Opfer schon länger gekannt haben.

Die mutmaßliche Prostituierte soll einen Steuerberater in dessen Wohnung in Bad Segeberg beim Sexspiel heimtückisch erstochen haben. Opfer und Angeklagte sollen sich schon länger gekannt haben. Die Tat hatte in der Stadt großes Aufsehen erregt.

Laut Anklage besuchte die Frau den 58-Jährigen am 12. Oktober 2016. Mit seinem Einverständnis fesselte sie ihm demnach die Hände und verband seine Augen. Doch statt wie vereinbart Sex zu liefern, soll sie unvermittelt ein Küchenmesser geholt und zugestochen haben. Der Mann konnte zwar noch die Polizei rufen. Aber weder Notarzt noch die Einlieferung ins Krankenhaus konnten ihn retten. Der 58-Jährige verblutete an zwei Einstichen in Hals und Bauch.

Zum Motiv machte die Staatsanwaltschaft zunächst keine Angaben. Sie wertet die Tat als heimtückischen Mord. Der 58-Jährige und die mutmaßliche Mörderin sollen seit längerem ein Verhältnis gehabt haben. Beim Eintreffen der Polizei soll sie sich in der Küche seiner Wohnung verschanzt und mit Selbstmord gedroht haben. Um Eigen- und Fremdgefährdung zu verhindern, sollen Polizeibeamte sie dann mit Pfefferspray außer Gefecht gesetzt und festgenommen haben. Die 28-Jährige sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft.

Sie schwieg bisher. Wie Verteidiger Kai Dupre dpa auf Anfrage sagte, will sie sich aber im Verfahren äußern. Um ihre Persönlichkeitsinteressen zu schützen, wolle er den Ausschluss der Öffentlichkeit für die Dauer der Beweisaufnahme beantragen, sagte Dupre. Nur zur Anklageverlesung und zum Urteil solle wieder Publikum zugelassen werden. Ob das Schwurgericht dem nachkommt oder das öffentliche Interesse an dem Verfahrem höher bewertet, ist offen.

Für das Verfahren setzte das Gericht unter dem Vorsitzenden Jörg Brommann vier Verhandlungstage fest. Zum Prozessauftakt sind sieben Zeugen geladen, darunter vier Polizeibeamte. Zudem beauftragte das Gericht zwei Sachverständige, einen Rechtsmediziner und einen psychiatrischen Gutachter. Er soll sich zum Zustand der Angeklagten und ihrer Schuldfähigkeit äußern. Der Frau droht bei einer Verurteilung nach Paragraph 211 des Strafgesetzbuches eine lebenslange Freiheitsstrafe.

dpa

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