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Imker im Norden beklagen große Verluste bei Honigbienen
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Lübeck Imker im Norden beklagen große Verluste bei Honigbienen

Viele Bienenvölker haben den vergangenen Winter nicht überlebt: Der Imkerverband Mecklenburg-Vorpommern rechnet damit, dass jedes dritte Bienenvolk in dem Bundesland eingegangen ist. In Schleswig-Holstein ist die Lage ähnlich.

Bienen in Honigwaben: Zahlreiche Völker waren durch lange Aktivität geschwächt und haben den Winter nicht überlebt.

Quelle: Michael Reichel/dpa

Lübeck. Viele Bienenvölker haben den vergangenen Winter nicht überlebt: Der Imkerverband Mecklenburg-Vorpommern rechnet damit, dass jedes dritte Bienenvolk in dem Bundesland eingegangen ist. In Schleswig-Holstein ist die Lage ähnlich. „Viele Imker geben nach großen Verlusten im Winter auf“, sagt Anke Last vom Imkerverband Bad Schwartau.

Das sei fatal. „Denn die Bedeutung der Honigbiene steigt immer mehr.“ Bienen leisten einen wichtigen Beitrag, indem sie blühendes Obst und Gemüse bestäuben. „Ohne Bestäubung kann keine Frucht wachsen“, erklärt sie. Nur Wildbienen allein können die Bestäubungsleistung nicht erbringen. Laut Last gibt es nur noch 269 Wildbienenarten, und es werden immer weniger.

Viele Betriebe in Not – Lange Aktivität im milden Herbst hat Tiere geschwächt.

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Durch den milden Herbst sind die Bienen lange aktiv gewesen. „So ein langes Bienenjahr schwächt die Tiere, sie sind dann anfälliger für Krankheiten“, erklärt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund.

In den meisten Fällen sei ein Varroamilben-Befall Ursache für das verstärkte Bienensterben. „Die Varroamilbe befällt die Bienenbrut. Es schlüpfen dann geschwächte Bienen, die nicht lange überleben“, erklärt Friedrich. Die Bienen hätten große Bedeutung: „Wenn die Bestäubung fehlt, wird die Ernte geringer ausfallen.“

Auch die Bienen von Anke Last waren bis weit in den Herbst hinein aktiv. Durch die Blühprogramme der Landwirtschaft und das milde Wetter hätten ihre Bienenvölker noch lange Zeit Blütenpollen gesammelt. „Durch das lange Sammeln vernachlässigen die Bienen die Winterbrut und haben so ein höheres Risiko, den Winter nicht zu überleben.“ Die Winterbrut besteht aus Arbeitsbienen, die deutlich mehr Fette und Eiweiße einlagern als die Arbeiterinnen der Sommermonate. Sie erzeugen Körperwärme, die die Temperatur im Bienenstock bei 15 bis 20 Grad hält.

Anke Last hat Glück gehabt. Von ihren acht Bienenvölkern haben sieben überlebt. Reiner Götze vom Imkerverband Reinfeld Zarpen und Umgebung kann das nicht von sich behaupten. Von seinen 25 Bienenvölkern sind nach dem Winter nur noch zehn übrig. „Einige Kollegen haben alle Völker verloren“, sagt er. Einige Bienenvölker hätten den Winter zwar noch überlebt, seien dann aber erst spät im März eingegangen. Unklar sei, ob allein die Varroamilbe hierfür verantwortlich ist.

Auch der Einsatz von bestimmten Pflanzenschutzmitteln stellt eine Gefahr für die Bienen dar. Sogenannte Neonicotinoide, die etwa zum Beizen von Saatgut eingesetzt werden, sind in Deutschland bereits verboten. Bald könnten sie für den Freilandeinsatz vollständig verboten sein. Eine entsprechende Entscheidung der EU-Kommission wird in diesem Jahr erwartet.

Die Kälte der vergangenen Tage ist hingegen kein Problem für die Bienen. In der Durchlenzung, der Phase zwischen Winterruhe und dem Beginn der Obstblüte, sind frostige Temperaturen normal. „Bienen erzeugen selbst Wärme und können im Stock nicht erfrieren“, erklärt Axel Path vom Imkerverband Neustadt, „einzelne Tiere können allerdings beim Wasserholen erstarren und so den Rückflug zum Bienenstock nicht bewältigen. Das nennt man verklammen.“ Die Temperaturen seien jedoch mild genug, sodass keine größeren Schäden entstünden.

Wichtig für die Bestäubung

25 000 Bienenvölker gibt es nach Angaben des Imker-Landesverbandes in Schleswig-Holstein und Hamburg. 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf Bestäubung durch Bienen angewiesen. Eine Gefahr für die Bienen ist das abnehmende Nahrungsangebot. Ohne ausreichende Nahrung werden die Bienen anfälliger für Krankheiten.

Helfen kann jeder: Durch blühende Areale, etwa an Straßenrändern oder im eigenen Garten, erhalten die Tiere zusätzliche Nahrung.

 Sandra Böhlein

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