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Leinenpflicht: Auf Streife mit der Hundepolizei
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Scharbeutz Leinenpflicht: Auf Streife mit der Hundepolizei

Die LN waren auf Streife mit der Hundepolizei, die kontrolliert, ob der Leinenzwang auch eingehalten wird. Es gab viele mündliche Verwarnungen, aber die Zahl der Bußgelder ist gering.

Svenja Reinecker musste mit ihrem „Luke“ den Strand verlassen.

Scharbeutz. Seit Anfang April häufen sich die Anrufe beim Scharbeutzer Ordnungsamt, in denen über frei laufende Hunde geklagt wird. „Das ist zum Saisonauftakt immer so. Im Hochsommer können wir diese Beschwerden an einer Hand abzählen“, berichtet der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Michèl Soltmann. Aufklärung über die in der Gemeindeverordnung festgelegte Leinenpflicht ist also notwendig. Manchmal aber reichen mahnende Worte nicht. Soltmann: „2015, im ersten Jahr unserer Kontrollen, haben wir zwei Bußgelder zu je 50 Euro, im zweiten Jahr drei Bußgelder und in diesem Jahr schon ein Bußgeld verhängt.“ Die Anzahl der mündlichen Verwarnungen gehe „in die Hunderte“.

Viele mündliche Verwarnungen, aber die Zahl der Bußgelder ist gering.

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Die LN haben die „Hundepolizei“ auf ihrem ersten Streifengang in diesem Jahr begleitet. Svenja Reinecker läuft mit ihrem Labrador „Luke“ am Scharbeutzer Strand entlang, Mensch und Tier haben sichtlich Spaß an der frischen Luft und der Bewegung. Plötzlich hören sie die Stimme von Jörg Wischnewski. „Können Sie bitte mal zu uns kommen?“, ruft der Polizeibeamte in Uniform Svenja Reinecker zu: Die Läuferin schaut in seine Richtung und sieht dort auch eine Frau in offizieller Kleidung. „Ich habe erst einmal Angst gehabt, als ich die beiden sah“, sagt sie.

Die Urlauberin aus Münster hat mit ihrem Hund verbotenes Terrain betreten. In der Saison sind Vierbeiner am Strand verboten. Der Leiter der Scharbeutzer Polizeistation und Gabriele Storjohann, Mitarbeiterin im Ordnungsamt, haben jedoch einen Handlungsspielraum: Sie könnten sofort ein Verwarnungsgeld von bis zu 40 Euro einfordern oder ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten, an dessen Ende eine Geldbuße von bis zu 1000 Euro steht. Beide sind sich aber einig: Sie wollen erst einmal mit Argumenten überzeugen. „Wir schlagen hier nicht mit der Keule des Ordnungsrechtes zu. Was wir wollen, ist eine Verhaltensänderung“, sagt Wischnewski.

An diesem ersten Tag bleibt es bei mündlichen Verwarnungen. Svenja Reinecker bedankt sich für „die guten und freundlichen Erklärungen“, nimmt „Luke“ an die Leine, verlässt den Strand und geht mit ihm auf die Promenade. Allerdings bedauert sie das: „Es ist schade. Der Hund liebt doch das Wasser so sehr.“

Auf der Promenade treffen die Ordnungshüter Eike Völker aus Norderstedt. Er geht mit „Jette“ spazieren. „Mir fehlt die Verbindung zwischen Ihnen und dem Hund“, sagt Wischnewski zu ihm. „Die müssen Sie hier im Kurbereich herstellen.“ „Jettes“ Herrchen zeigt Verständnis: „Es war mir einfach nicht bewusst, dass hier Leinenzwang herrscht“, sagt er und stellt die gewünschte Verbindung her.

Gabriele Storjohann überreicht ihm noch den von der Gemeinde herausgegebenen „Hundeknigge“, in dem alles Wissenswerte für Hundebesitzer zusammengefasst ist.

Bei Kontrolltouren dieser Art sei die Anwesenheit eines Polizeibeamten schon wichtig, sagt Wischnewski: „Die Ordnungskräfte aus der Gemeinde klagen häufig darüber, dass sie nicht ernst genommen werden.“ Oft hören sie Sätze wie: „Ihr solltet euch nicht um Hunde, sondern lieber um die Parksünder kümmern.“ Die allermeisten Hundebesitzer hätten allerdings Verständnis und befolgten den Leinenzwang. Wischnewski berichtet aber auch von „drei bis vier Wiederholungstätern“. Sie hätten schon hohe Bußgelder gezahlt, seien aber immer noch uneinsichtig.

Ebenso wie Gabriele Storjohann ist Wischnewski kein Hundehasser. Im Gegenteil: „Wir haben zu Hause immer Hunde gehabt“, sagt er. Und sie erzählt: „Wir haben oft Pflegehunde bei uns.“ Ähnlich wie bei den Pferden, die vom 1. April an auch nicht mehr an den Strand geführt werden dürfen, liege das Problem nicht bei den Tieren, sondern „am anderen Ende der Leine“.

Alle Informationen zur Leinenpflicht gibt es im Internet unter www.gemeinde-scharbeutz.de. Fragen beantwortet Michèl Soltmann unter Telefon 04503/7709301.

Strenge Regeln

Hunde sind in Scharbeutz und Haffkrug im Bereich der Strandallee, des Ostseeplatzes, der Strandpromenade, der Seebrückenvorplätze, der Seebrücken, dem Haffwiesen-Park in Haffkrug und dem Kurpark in Scharbeutz ganzjährig an der Leine zu führen.

Seit dem 1. April und noch bis zum 30. September dürfen Hunde – mit Ausnahme der Hundestrände an den Strandabschnitten 4 und 31 – nicht mit an den Strand genommen werden. Dieses gilt auch frühmorgens und abends.

 Christina Düvell-Veen

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