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Ab heute: Freie Fahrt auf der Hubbrücke
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Lübeck Ab heute: Freie Fahrt auf der Hubbrücke

Wieder offen. Seit Freitag, 9:15 Uhr, können Autofahrer die Hubbrücke wieder passieren - und entspannt auf die Altstadtinsel rollen. Das erklärt Henning Dierken, Chef des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck (WSA).

Die Hubbrücke ist ab Freitag wieder für Fußgänger, Radfahrer und Autos passierbar.

Quelle: Neelsen

Innenstadt. Zwei Mal kurz, ein Mal lang. Dadadong. Für die Ohren betäubend laut wird das gut 160 Tonnen schwere Gegengewicht nach unten verfrachtet. Angetrieben von einem 26-PS-Elektromotor, dreht sich die Antriebswelle und lässt den grauen Akku-Block in die Tiefe rauschen. Ziemlich schnell für so einen massigen Koloss. Er ist im Turm der Hubbrücke auf der Altstadtseite befestigt. Dadadong, dadadong, dadadong. Das herunterfahrende Gewicht erzeugt den Druck und lässt 2000 Liter des Glyzerin-Wasser-Gemischs durch die Leitungen rauschen, die draußen dann die 245 Tonnen schwere Hubbrücke nach oben fahren. Die 117 Jahre alte Querung hebt sich empor. 3,20 Meter hoch.

Nach sechs Wochen ist die Querung wieder geöffnet – Das 117 Jahre alte Bauwerk wurde gewartet.

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Perfekt: Alles in Ordnung auf der Hubbrücke. Seit 9:15 Uhr kann der Verkehr wieder rollen. Nach sechs Wochen Vollsperrung eine Erleichterung für die 14500 Autofahrer, die täglich über die Brücke zur Altstadt fahren. Sechs Wochen war die Hubbrücke wegen Wartungsarbeiten gesperrt. Seit dem 6. März wird dort gewerkelt. Am 5. April sollte alles fertig sein, doch bei den Arbeiten wurden weitere Schäden entdeckt. Daher dauerte die Sperrung gut zwei Wochen länger.

Aber ab heute ist Besserung in Sicht. Die Hubbrücke ist frei. „Wir sind fertig“, sagt Henning Dierken, Chef des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Lübeck (WSA). Die Testfahrt ist bestanden. Kommt ein Schiff und will in den Elbe-Lübeck-Kanal, drückt der Brückenmaschinist auf einen Knopf. Das Ampel-Signal für den Kapitän springt von zwei roten, auf eine rote Leuchte. Dann werden die Ampeln für die Autofahrer auf Rot geschalten, die Schranken schließen. Alles passiert in dem kleinen gläsernen Vorbau, der an dem Turm über dem Wasser hängt. Jetzt heißt es: Strom wechseln. Von Wechsel- auf Gleichstrom. Denn der alte Elektromotormotor oben beim Gegengewicht im Turm läuft auf Gleichstrom. Wenn der Motor startet, gibt der Maschinist mit dem Originalhebel von 1900 Druck auf die Leitungen, das Glyzerin-Wasser-Gemisch schießt hindurch und in schnellen vier Gängen fährt die Brücke nach oben. An der Wand hängt eine 15 Zentimeter große durchsichtige Plastikscheibe, auf die die Hubbrücke gemalt ist – sie sieht aus, wie von Kinderhand gebastelt. „Eine ganz wichtige Anzeige für uns“, sagt Klaus Thiel, der Hubbrücken-Experte. Daran ist abzulesen, wie waagerecht die Brücke nach oben fährt. Auf der Stadtseite ist sie jetzt fünf, sechs Zentimeter höher als auf der anderen Seite – und hängt leicht schief. „Weil der Druck hier zuerst reinkommt“, sagt Thiel. Die rasante Fahrt mit 26 PS ist in weniger als einer Minute beendet. Dann wird wieder ein altmodischer Hebel bedient und die Brücke verriegelt. Unterhalb der Querung wird auf jeder Uferseite ein 50-Kilo-Gewicht in eine andere Position geschoben, und die vier Spindeln stehen fest, die die Brücke tragen. Das Schiff kann passieren. Dann geht’s rückwärts – bis zum Schluss die Schranken wieder gehoben werden und die Autos durchfahren können. Ein uralter Mechanismus und hohe Ingenieurkunst. Das alles funktioniert auch heute noch. Jedenfalls meistens.

4 Wochen sollte die große Wartung der Hubbrücke dauern. Jetzt sind es sechs geworden. Drei zerdellte Bronzeringe mussten ersetzt werden. Sie sind Teil der Mutter, durch die die vier Spindeln nach oben und unten fahren, wenn sich die Hubbrücke hebt und senkt. Auch die Antriebswelle wurde erneuert – sie ist gewandert und hätte bald nicht mehr in ihr Gegenstück gepasst. Außerdem wurden Hydraulikleitungen unterhalb der Fußgängerbrücke ausgetauscht.

 Josephine von Zastrow

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